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Mensch und Fahrradmaschine – „Maya Pedal“ in Guatemala

Mensch und Fahrradmaschine – „Maya Pedal“ in Guatemala

 

Tilman ist Vereinsmitglied von Technik und Solidarität und seit Juli 2013 als Freiwilligenhelfer bei „Maya Pedal“ in Guatemala. Die Hilfsorganisation Maya Pedal baut seit 2001 fahrradbetriebene Maschinen, sogenannte „Bicimáquinas“. Fahrradmaschinen erleichtern den Menschen unabhängig von fossilen Brennstofen und Elektrizität, an verschiedenen Orten, sei es zu Hause, in der Landwirtschaft, auf der Straße oder im Kleingewerbe, das Leben.

Derzeit erlebt die Organisation große Turbulenzen, da der bisherige Werkstattleiter und Kopf der Organisation, Maya Pedal im September 2012 verlassen hat:

Einige Tage vor meiner Ankunft in San Andres Itzapa, dem Heimatdorf von Maya Pedal bekam ich eine E-Mail von der Organisation mit dem Inhalt, dass der ehemalige Werkstattleiter von Maya Pedal sich mitsamt einem Gutteil der Finanzen und Teilen von Maya Pedal mit einer Fahrradwerkstatt selbstständig gemacht habe. Zudem wurde einige Monate zuvor der Mietvertrag für die alten Werkstatträume gekündigt – Maya Pedal musste umziehen.

Maya Pedal besteht im Moment vor allem aus der Familie Molina, die alle Volunteers bei sich aunimmt, und die neuen provisorischen Werkstatträume zur Verfügung gestellt.

Volunteers kommen aus der ganzen Welt zu Maya Pedal und machen derzeit einen Gutteil der Arbeit in der Werkstatt. Bei meiner Ankunft waren es zwei Mexikaner und eine Französin, später kamen zwei Spanierinnen und für kurze Zeit zwei weitere Franzosen hinzu.

Das Herz der Organisation ist die Werkstatt mit einem Lager an Fahrradteilen, Rädern und sonstigen Teilen, die für die Maschinen benötigt werden. Die Ausrüstung an Werkzeug ist recht gut, es gibt so ziemlich alles was für gewöhnliche Fahrradreparaturen benötigt wird. Es fehlen allerdings Spezialwerkzeuge zum Richten vom Schaltauge, Fräser für Steuerkopfsitz etc. Darüber hinaus gibt es eine große Auswahl an Werkzeugen zur Metallbearbeitung, insbesondere Winkelschleifer und Elektrodenschweissgeräte.

In der Werkstatt arbeiten alle Volunteers und werden auch die meisten Kunden empfangen.

Da Maya Pedal seit 1,5 Jahren keine Fahrradlieferungen mehr erhalten hat fehlen besonders für bestimmte Laufradgrößen und Lagertypen Teile. Andererseits wurde auch manches falsch eingelagert. So ist es schier unmöglich, eine Cantilever oder V-Brake zu montieren, da alle Bremsen einzeln und ohne zugehörige Federn, Lager und Schrauben in einem Eimer verstaut wurden.

Seit September 2012 war Rodolfo Chiriz Werkstattleiter. Er hatte diese Aufgabe übernommen, da er zur Zeit arbeitslos ist und somit etwas Lohn von Maya Pedal bekommt. Mit ihm zusammen bauten wir Volunteers seit Mitte Juli ein Transportdreirad, einige „Bicilicuadoras“, das sind fahrradbetriebene Fruchtsaftmixer sowie einen „Bicimolino“ ein Mahlwerk für Mais oder Kaffee.

Da Maya Pedal jedoch im Moment keine finanziellen Mittel für Rodolfo hat, wurde die Zusammenarbeit in der letzten Junta von Maya Pedal (Zusammenkunft der Organisationsmitglieder) beendet.

Theoretisch werden alle Entscheidungen über Organisation und Finanzen monatlich von dieser „Junta directiva“ getroffen, einer Versammlung von 2 Männern und 3 Frauen (anwesende Mitglieder der letzten Versammlung, eigentlich sind es mehr). In der Realität scheint es als würden die meisten Entscheidungen von Mario, dem selbsternannten Direktor sowie Cesar Molina, dem Mann der Präsidentin Donia Chavez und Rechtsbeauftragten des Vereins, getroffen. So haben sie beispielsweise entschieden, ein Haus für die Volunteers anzumieten um die zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten der Familie Chavez wieder freizugeben und den Volunteers mehr Platz zu bieten. Dazu sollten neue Räume für die Werkstatt angemietet werden. In der Versammlung stellte sich dann jedoch heraus, dass nicht einmal die Mittel für eine Miete vorhanden wären.

Da sich niemand hauptberuflich um Maya Pedal kümmert, steht die ganze Organisation momentan leider mehr oder weniger still. Es gibt viele Ideen für neue Maschinen bzw. deren Adaption (z.B. Plastikabfallshredder und Extrudor, eine effiziente Kochstelle mit Rauchabzug als Ersatz für die hier oft verwendeten offenen Feuer).

Derzeit fehlen allerdings Mittel zur Umsetzung dieser Ideen. Auch mangelt es an der Präsenz einer einheimischen Kontaktpersonen, die über Telefon und Internet, Bestellungen für neue Maschinen entgegen nimmt, die alten Maschinen vertreibt und Werbung für die Organisation und Ihre Angebote macht.

Wir Volunteers arbeiten derzeit in der Werkstatt an fertig zu stellenden Maschinen. Das waren zuletzt ein „Bicimolino/Bicilicuadora“, eine behindertengerechte pedalgetriebene Mühle, die meist gebauteste Maschine von Maya Pedal und ein „Bicilavadora de Ropa“, eine pedalgetriebene Waschmaschine.

Wie die Beschreibung vermuten lässt, ist der Zustand der Organisation ist derzeit nicht der Beste. Nichtsdestotrotz gibt es Hoffnungsschimmer: Es schauen immer wieder Leute in die Werkstatt, die sich für eine Maschine interessieren. Häufiger sind jedoch Kunden aus dem Dorf, die einfache Fahrradreparaturen benötigen. Die Organisation hat einen gewissen Bekanntheitsgrad, sowohl national als auch international und erregt immer wieder Aufmerksamkeit, wie vor wenigen Wochen mit einem Fernsehbericht im mexikanischen Fernsehen.

Für uns Volunteers ist die Arbeit hier nach wie vor sehr bereichernd, da unsere Gastgeber überwältigend offen und freundlich sind. Die Arbeit an den Maschinen ist sehr interessant und lehrreich. Durch die momentan fehlende Nachfrage an Maschinen fragt man sich jedoch nach dem Zweck der eigenen Arbeit, oft scheinen Fahrradreparaturen die nützlichste Möglichkeit, der lokalen Bevölkerung zu helfen.

 

 

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