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Transportmittel in Guatemala

Transportmittel in Guatemala

Tilman ist Vereinsmitglied von Technik und Solidarität und seit Juli 2013 als Freiwilligenhelfer bei „Maya Pedal“ in Guatemala. Die Hilfsorganisation Maya Pedal baut seit 2001 fahrradbetriebene Maschinen, sogenannte „Bicimáquinas“. Fahrradmaschinen erleichtern den Menschen unabhängig von fossilen Brennstofen und Elektrizität, an verschiedenen Orten, sei es zu Hause, in der Landwirtschaft, auf der Straße oder im Kleingewerbe, das Leben.

Derzeit erlebt die Organisation große Turbulenzen, da der bisherige Werkstattleiter und Kopf der Organisation, Maya Pedal im September 2012 verlassen hat:

Teil1: Transportmittel in Guatemala

Autos/Busse/Motorräder/TukTuks:

Es gibt viele Autos in Guatemala, da Benzin nicht unbedingt teuer ist (die Gallone kostet 30-35 Quetzales, entspricht 67-77 Cent pro Liter) aber die ärmsten, von denen es nicht gerade wenige gibt (ca. 70% der 60% Mayas in der Bevölkerung leben in Armut), können sich das nicht leisten. Das nötigste was man zum Leben braucht kostet hier ungefähr 10mal weniger als in Europa (Insbesondere Essen, Kleidung, Wasser und Miete auf dem Land), aber „Luxusgüter“ wie Strom oder Internet sind oft auf fast europäischem Preisniveau oder sogar darüber (z.B. umgerechnet ca. 50 Euro Stromkosten pro Monat für die Familie Molino + Volunteers, 5 Personen, Internet ca. 20 Euro).

Für längere Strecken benutzen die meisten Guatemalteken „Camionetas“, alte Schulbusse aus den Vereinigten Staaten, die immer und immer wieder repariert werden. Die Busse sind notorisch überfüllt und deren Fahrer nicht gerade zimperlich, was nicht gerade ungefährlich ist.

Für eine Fahrt von Itzapa in die etwas 50km entfernte Hauptstadt „Guatemala Stadt“ zahlt man 1,50€. Dafür lässt sich dann auf dem Dach oder im Bus so ziemlich alles mitnehmen, was man bei sich hat (meist Körbe mit Waren für den Markt, aber auch Fahrräder oder sperrige Gepäckstücke und Waren).

Katalysatoren sind bei allen motorisierten Fahrzeugen eine Seltenheit, was Straßen mit viel Verkehr ziemlich atemberaubend macht.

Auch Motorräder sind nicht unbekannt und werden gerne als Transportmittel für kleine Unternehmen in Städten benutzt, um z.B. Gasflaschen für Kochstellen zu transportieren.

TukTuks werden wie in vielen anderen Ländern auch als Transportmittel in Städten und Dörfern verwendet und deren Fahrer winden sich durch die engsten Gassen, durch dichtesten Verkehr und die steilsten Steigungen hinauf, oft mit wenig Rücksicht auf andereVerkehrsteilnehmer.

Pferde:

Viele Bauern benutzen Pferde, die zwar teurer sind als Fahrräder, aber sobald einmal angeschafft keine Kosten verursachen (dafür viel Arbeit um Futter anzuschaffen). Sie haben den Vorteil dass sie geländegängiger sind und viel transportieren können.

Es gibt auch Pferde, die von Ihren Besitzern auf einem Rasenstück oder in der Straße angebunden werden und die sich oft ihr Futter selbst suchen müssen.

Fahrräder:

Das typische Fahrrad in Guatemala ist ein 10- oder 12 Gang Mountainbike, erhältlich ab rund 500 Quetzales (50€) und damit das billigste Individualtransportmittel (Hersteller sind z.B. Maya Tour oder Shimano Bikes). Die Räder sind von meist schlechter Qualität mit schnell versagenden Lagern (made in China), und zum Großteil aus Stahl (Felgen, Naben, Kurbeln, Bremshebel…) häufig mit Gepäckträger vorn und hinten.

Die Räder werden häufig von Bauern verwendet um zum Feld und zurück zu kommen, mit in den Rahmen eingeklemmter Machete und Hacke auf dem Gepäckträger. Auf dem Rückweg auch gerne mal schwer beladen mit allen möglichen Pflanzenteilen vom Mais.

Die Gangschaltung ist im Hochland nur schwer zu entbehren, wobei viele Straßen trotzdem zu steil sind… die meisten Räder sind in 26“, wobei es auch viele 24“ oder 20“ Räder gibt die von Erwachsenen gefahren werden. Teils weil die Leute hier kleiner sind, teilweise wohl weil sie das Rad, dass sie als Kind bekommen haben, weiterhin nutzen. Von Beinlängenmessung und derlei Luxus haben viele wohl noch nichts gehört, oft sind die Sättel viel zu niedrig eingestellt.

Man sieht jedoch auch immer wieder mutige Rennradfahrer auf den stark befahrenen Straßen. Diese sind professioneller ausgerüstet, mit 27“ oder 28“ Rennrädern, die sie entweder von Besuch/Freunden/Familie aus den USA bekommen haben oder über Organisationen wie Maya Pedal oder, wenn die Leute das Geld haben aus den verhältnismäßig sündhaft teuren Fahrradläden in Antigua oder Guatemala-Stadt, die Neuräder aus den USA und Europa importieren, gekauft haben.

In den Städten gibt es deutlich mehr Leute, die das Fahrrad als Sportgerät und Lifestyleaccessoire nutzen. Beim Car-Free Day in der Hauptstadt letztes Wochenende gab es ein Bike-Polo Turnier, und auf dem Ausstellungsplatz und bei einer Stadtrundfahrt gab es viele Fixed Gear Räder, teure Mountainbikes mit Vollfederung, Cruiser und gut ausgestattete Stadträder zu sehen.

Auch auf dem Lande sieht man neben Rennrädern immer wieder Kids, mit BMX Rädern in den Straßen rumhüpfen oder mit Mountainbikes die reichlich vorhandenen Hügel in der Umgebung befahren.

Was in Dörfern und Städten immer wieder zu sehen ist, sind die oben beschriebenen billigen Mountainbikes mit selbst- oder auftragsgeschweißtem Gepäckträger aus Armierungsstahl in allen möglichen Größen, zum Transport von Gasflaschen, Backwaren, Obst-und Gemüse… Genauso gibt es oft Transportdreiräder (2 Räder hinten) zu sehen, die deutlich mehr Ladefläche bieten.

Auf den Märkten gehören ziemlich große Transporträder mit 2 Rädern vorne zum oft zum typischen Bild, diese werden z.B. als Werbung und Verkaufsstand für Handys genutzt oder als mobiler Essensstand mit Gaskocher, Friteuse, Kaffeewärmer und ähnliches.

 

Teil 2: Maya Pedal & Ereignisse der letzten Wochen

Die letzten Wochen verliefen von meiner Sicht aus zu Anfang relativ ereignislos, Maya Pedal hat nach wie vor keine Kunden für Maschinen, was, wie mir von vielen Seiten erklärt wurde wohl auch daran liegt dass in diesen Wochen die Schule beginnt und am 15. September der Unabhängigkeitstag von Spanien gefeiert wird und alle Eltern ihren Kindern teure Uniformen kaufen. So verbrachte ich meine Zeit mit dem Bau eines großen Gepäckträgers für mein Reiserad.

Vor zwei Wochen kamen dann endlich die lange angekündigten Handwerker um das undichte Dach der Werkstatt zu reparieren. Was auch ziemlich nötig war, da aufgrund täglicher Schauer in der momentanen Regenzeit das Arbeiten ziemlich unmöglich wurde, sich Werkzeug- und Teilekisten langsam mit Wasser füllten und das Wasser den Stromleitungen gefährlich nah kam.

Am gleichen Wochenende wurde eifrig die Unabhängigkeit gefeiert, woran sich Maya Pedal Samstags mit einem Fackellauf auf Fahrrädern beteiligte, begleitet von der freiwilligen Feuerwehr und unterwegs bespritzt aus zahllosen Wasserkübeln. Am nächsten Tag, dem eigentlichen Unabhängigkeitstag, gab es Paraden der Schulen und Vereine sowie Spiele, bei denen z.B. Reiter aus vollem Galopp mit einem Kugelschreiber einen Schlüsselring treffen müssen oder einen eingefetteten Pfahl, der zum Ergattern einer Flagge beklettert werden muss.

Mittlerweile arbeitet nur noch Bradley, einer der Söhne von unseren Gastgebern, den Molinos, mit mir in der Werkstatt, oft begleitet von einer Schar Kinder. Und es werden nur noch Räder gerichtet, im Moment ein Auftrag für die Reparatur zwei schöner Räder aus England (Raleigh Mountainbike und Rennrad mit unbekannter Marke).

Zusammen mit zwei Amerikanischen Volunteers, die mit dem Fahrrad kamen und 1 Woche bei Maya Pedal arbeiteten, habe ich die neue Werkstatt (www.bicitec.org) von Carlos besucht, der früher Werkstattchef von Maya Pedal war. Dort ist alles top aufgeräumt und es gibt viele hochqualitative Räder, die wohl von Bikes not Bombs aus den USA stammen. Nach einem langen Gespräch mit ihm sind wir einigermaßen begeistert von seinen Ideen (z.B. eine Schule gleichermaßen für Volunteers und Einheimische zu eröffnen, mit Fächern wie Fahrrad- und Fahrradmaschinentechnik, Ökolandbau, Heilpflanzenkunde und Recycling). Auf die Trennung von Maya Pedal angesprochen, sagt er dass die Organisation von Maya Pedal zu schlecht gewesen sei und sich nichts bewegt habe, womit er in gewisser Weise durchaus Recht hat. Von der andere Seite wurden allerdings schwere Vorwürfe gegen ihn erhoben, beim Verlassen von Maya Pedal Werkzeug, Geld und Teile für seine Werkstatt mitgenommen zu haben. Was wirklich passiert ist zwischen Maya Pedal und Carlos wird wohl nicht mehr rauszufinden sein.

Am folgenden Wochenende war dann der weltweit autofreie Tag in Guatemala Stadt, zu dem wir eingeladen waren unsere Maschinen auszustellen, was ein ziemlicher Lichtblick für Maya Pedal war. Zum ersten Mal seit langem haben sich alle eifrig an den Vorbereitungen beteiligt, es wurden Maschinen gerichtet und gesäubert, Infomaterial und Visitenkarten gedruckt.

Bei der Ausstellung, auf der Fahrradhersteller und -läden zugegen waren, konnten wir massenhaft Kontakte knüpfen und dank der Präsenz von Fernsehen und Zeitungen ziemlich viel Werbung machen (Bericht findet sich hier).

Das Ministerium für Kultur und Sport organisierte im Rahmen der Veranstaltung eine große Radtour durch die Innenstadt mit Straßensperren für alle Autos auf dem Weg. Was eine ziemlich geniale Sache war, viele Sehenswürdigkeiten, die Innenstadt, den Flughafen vom Fahrrad aus zu sehen (ein Stück der sonst in Guatemala Stadt total mit Autos überfüllten Panamericana war auch gesperrt!), zusammen mit hunderten anderen Radlern.

Soviel zu den Ereignissen der letzten Wochen, zusammenfassend lässt sich sagen, dass Maya Pedal nach wie vor ziemliche Organisationsprobleme und Chaos in der Werkstatt hat, was aber langsam bessert. Die Organisation ist quasi pleite (was nicht soo schlimm ist, da im Moment keine Miete gezahlt werden muss), aber die letzten Tage gab es deutlich mehr Interessenten für Maschinen und es bleibt zu hoffen, dass einige davon sich entschließen die 50% Vorschuß, die Bedingung für den Bau sind zu bezahlen. Die Werkstatt verfügt über viele Teile, wobei nach langem Ausbleiben von Lieferungen und wegen falschem Einsortieren jedoch nur noch wenig verwendet werden kann (es bleiben nur die Teile übrig, die hier nicht an Fahrrädern verwendet werden). Es gibt noch einige Fahrräder, die sich mit relativ wenig Aufwand richten ließen, was in der nächsten Zeit wohl meine Hauptarbeit sein wird, bis neue Maschinen bestellt werden.

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